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Ready…set…

Go!

Der erste Tag des neuen Schuljahres ist vorüber, und so langsam könnte man auch mal wieder über die nächsten Ferien nachdenken. Nicht nur muss ich mich erst wieder an den Geräuschpegel gewöhnen, auch bringt der Job der Klassenlehrerin in der Mittelstufe so einige Herausforderungen mit sich, auf die ich nicht eingestellt war. Damit meine Großen ihren ersten Tag unter meiner Fuchtel nicht einfach mit einem neuen Namensschild auf einem anderen Platz beginnen, hatte ich mir einen bewegungsreichen und – wie ich fand – interessanten Einstieg überlegt. Folgende Anweisungen fanden sie, als sie das Klassenzimmer betraten:

„1.Check the seating chart inside the board.

2. Find the envelope with your name in the back.

3. Solve the equation inside.

4. The solution is your seat number!“

Warum das Ganze auf Englisch, wenn es die Arbeit doch verkompliziert? Tja, als Englischlehrerin der Klasse habe ich es mir herausgenommen, sie intellektuell gleich in die richtige Richtung zu schubsen. Was ich nicht einkalkuliert hatte war, dass die Schüler geistig noch zwischen der 2.&3. Ferienwoche herumdümpelten, und somit kein einziger der 20 Teenies meine Aufgabe lösen konnte. Nicht einer. Und das in der achten Klasse. Nun ja, nach einem tiefen Durchatmer meinerseits und einem kollektiven Seufzer der Erleichterung ihrerseits, als die Plätze doch gefunden waren, konnte es losgehen.

Gedanklich, das muss ich ganz klar zugeben, war ich auch nicht immer bei der Sache. Was ich mich im Verlauf des Tages diverse Male fragte war, warum zwei meiner hübschesten Mädels sich in den Ferien unbedingt die Augenbrauen schwarz färben mussten?! Ist das jetzt ein Trend? Wenn ja, dann würden sie sich einen Gefallen tun, wenn sie ihn ausließen. Bei blonden Haaren und einem schmalen Gesicht sehen dunkle Augenbrauen-Balken einfach nicht aus. Punkt. Genauso bei hellbrauen Haaren und einer ähnlichen Gesichtsform. Nun ja, ich habe diskret geschwiegen.

Den Mund aufgemacht, wenn auch genauso diskret, habe ich bei einer anderen Schülerin, deren Größenschild hinten aus ihrem Pullover blitzte. Da die meisten ja noch keine Augen im Hinterkopf haben, empfand ich das als eine nette Geste. Und entgegengesetzt zum Umgang mit Freunden, denen ich das Schild einfach direkt wieder herumdrehe, habe ich ihr auch nur leise Bescheid gesagt. Nett von mir, oder?

Weniger nett war, dass ich bei einer nachmittäglichen Einkaufstour zwischen Schule und Konferenz feststellen musste, dass mein Maskara mich in einen Pandabären verwandelt hatte, da er bei meiner Abfahrt zuhause anscheinend noch nicht ganz trocken gewesen war. Dicke Batzen hingen mir unter den Augen. Und keiner hat auch nur einen Ton gesagt…da muss ich sowohl meine Kollegen als auch meine Schüler noch besser erziehen.

Auch rechtschreibtechnisch geht da noch was – meine Großen sollten ein Namensschild als Akrostichon gestalten. Das heißt, den Namen von oben nach unten (diese Bewegung habe ich DREImal vorgemacht, damit sie auch sicher wussten, was gemeint war) aufschreiben und dann zu jedem Buchstaben ein passendes Adjektiv. Was schreibt mein Spezi, den ich mir absichtlich direkt vor die Nase gesetzt habe, weil er sich im letzten Jahr weigerte, mitzuarbeiten?

I wie interliegend.

Stimmt, er LIEGT mit dem Kopf oft auf dem Tisch, besonders ZWISCHEN (INTER) den einzelnen Arbeitsphasen. Trifft also vollkommen zu. Nur ob er das so ehrlich reflektiert hat, oder sich schlichtweg vertan hat, ist jetzt die Frage… vielleicht kann ich das nochmal erfragen.

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Es gibt sie doch!

Heute hat mich ein etwas älterer Beitrag der großartigen Frau Freitag dazu gebracht, mal über meine netten Schüler nachzudenken. Oft, so sagt Frau Freitag und ich gebe ihr Recht, beschäftigt man sich fast ausschließlich mit den Störern, mit den Schülern, die einem Kopfzerbrechen bereiten. Dabei sind in jeder Klasse doch auch liebe Kinder. Solche, die meist das machen, was man möchte und das auf eine nicht-penetrante Art und Weise. Solche, die mitdenken und dem Lehrer gegenüber hilfsbereit sind (merke: schleimen ist nicht gleich hilfsbereit sein). Solche, die höflich und pünktlich sind. Die fallen gegenüber den „Störern“, wie ich sie an dieser Stelle mal völlig übergeneralisiert nenne, deutlich weniger ins Gewicht, dabei gestalten sie den Schulalltag doch auch mit.

Nehmen wir doch mal meine künftige 8. Klasse. 20 Schüler, einer anders als der andere aber grundsätzlich alle vollkommen in Ordnung. Mit keinem hatte ich bisher große disziplinarische Schwierigkeiten, aber zwischendurch kriselt es eben doch einmal. An diese Schüler denke ich automatisch, wenn ich von meiner Klasse spreche. Dann sind da aber noch andere:

Der etwas ältere Junge, der nicht nur mein absoluter Leistungsträger in Englisch ist, sondern der auch immer pünktlich ist und sein Material dabeihat. Der im Unterricht oft Sprüche klopft, woraufhin ich meist lachend am Boden liege. Der allein in seiner Art so witzig ist, dass ich seine Wortmeldungen selten ohne Grinsen überstehe. Der einen tollen Humor hat, welcher in keiner Weise verletzend, sondern nur auf-den-Arm-nehmend ist. Der mir eine selbst geschriebene Strophe zu einem vorhandenen Song vorsang, anstatt ihn nur vorzulesen. (Randnotiz: für musikalische Momente bin ich absolut immer zu haben) Der innerhalb einer Stunde den besten Werbespot zu einem selbstgewählten Produkt erstellte und mit dem Video aufnahm, den ich je in so einer Zeitspanne gesehen habe. Der so ziemlich als einziger die Aufgaben in der Englischarbeit liest und daher weiß, dass sie ganze Sätze schreiben sollen und nicht nur Stichpunkte hinhudeln.

Das Mädchen, das Tränen in den Augen hatte, als ich ihr verkünden konnte, dass sie es in diesem Jahr auf eine Hauptschuleins geschafft hat. Das mich schon Mitte des Schuljahres fragte, wie wahrscheinlich es sei, dass sie mich im kommenden Jahr behalten, und danach in regelmäßigen Abständen wieder nachhakte. Das sich riesig gefreut hat, als ich am letzten Schultag verkünden durfte, dass ich die neue Klassenlehrerin bin. Das sich anerkennend, aber im Zweifelsfall auch (konstruktiv!) kritisch zu meiner Frisurenwahl äußert. Das zuverlässig den Austeil- und Einsammeldienst erledigt und mich darauf hinweist, wenn ich es mal wieder vercheckt habe, im Klassenbuch eine Eintragung vorzunehmen. (Was natürlich fast nie vorkam, ups.)

Der Junge, der in einer wirklich schwierigen Familie mit einer sehr unkooperativen Mutter aufwächst und früher anscheinend prügelnd durch die Schule gelaufen ist. Der mir erzählt, wenn sein kleiner Bruder einen Tag aufgrund seiner Krankheit nicht in die Schule kommt, weil ich in der Klasse Co-Klassenlehrerin war. Der mit in der Abenteuerherberge war, um besagten Bruder zu beaufsichtigen, und die halbe Zeit damit verbrachte, sich mit mir zu unterhalten und über Schule zu lästern. Der immer den PC und Beamer sofort anschaltet, wenn ich etwas von „Präsentationen“ oder „Video“ sage. Der auch daran denkt, dass das Licht angeschaltet werden muss, wenn das Video vorbei ist und Frau Amhranai etwas an der Tafel notiert (was ich mitunter beim Modulbesuch im tiefsten Winter morgens um 8 vergessen habe, so dass es sehr düster in der Klasse blieb). Der ACDC und Led Zeppelin hört. Der so stolz darauf ist, dass er in der Fremdsprache gut ist, wo er doch in Deutsch schlechte Noten erzielt. Der sich durchs Leben schlägt, auch wenn er von vielen nicht so akzeptiert wird.

Das sind nur drei meiner Großen, die ich schon jetzt liebevoll als „meine“ bezeichne. Und dann gibt es da noch 17 andere Schüler, die auch alle tolle Züge haben. Bevor das Schuljahr losgeht, werde ich mich in jedem Fall noch einmal hinsetzen, und auch über sie nachdenken. Denn alle Schüler sind besonders – man muss das Besondere nur herauskitzeln.

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Fast geschafft!

Kennt ihr das, wenn Schüler sich kurz vor den Weihnachtsferien von der Besinnlichkeit der Adventstage anstecken lassen und sich während der Unterrichtsstunden stiller als sonst verhalten? ……ich auch nicht.

Obwohl ich in den letzten Jahren schon als Langzeit-Praktikantin einen guten Einblick in das Chaos erhalten habe, das ab Anfang Dezember in den Klassenzimmern herrscht, so ist es doch nochmal ein ganz anderer Schnack, dieses Chaos im Alleingang unter Kontrolle zu halten. Die letzten Tage waren, gelinde gesagt, anstrengend und ich freue mich sehr, dass morgen nach den Stufenversammlungen und einer Klassenlehrerstunde für den Rest des Jahres 2015 Feierabend ist. Nach einem fantastischen Weihnachtskonzert gestern Abend (welchem der Schulleiter als Frontmann einer der Bands die Krone aufgesetzt hat) steht nun nur noch das Gewusel auf dem Programm, das sich da Jahresabschluss schimpft.

Meine Kleinen hatten heute das Glück, in drei gemütlichen Frühstücksstunden bereits die Ferienzeit ein bisschen einzuläuten. Leider kam ich erst zur letzten dieser Stunden dazu, da ich vorher Unterricht in meiner Siebten hatte (die tatsächlich die erste Hälfte der Zeit ruhig waren. Allerdings war daran die Lustlosigkeit schuld, nicht die Besinnlichkeit). Aber immerhin bekam ich noch selbstgemachte Waffeln ab, und wurde zudem aufs Allerherzlichste begrüßt. Dieser Moment, wenn ich durch die Klassenzimmertür trete und mir 28mal mein Name entgegenschallt, gepaart mit lächelnden Gesichtern und blitzenden Augen ist einer, von dem ich nie genug bekomme.

Bescheiden, wie ich nun einmal bin, würde ich behaupten, dass mich die Süßen ziemlich gut leiden können, und das beruht definitiv auf Gegenseitigkeit. Wenn es ein Leben nach dem Ref gibt (was ich momentan noch für ein Gerücht halte 😉 ), würde ich es gerne an dieser Schule verbringen, zumindest für eine gewisse Zeit. Aber bis dahin kann auch noch viel passieren. Ich freue mich wirklich über jeden Tag, den ich mit den Kleinen und Großen verbringen kann. Ehrlich. Zwar sagte meine eine Mitbewohnerin gerade heute zu mir: „Also irgendwie antwortest du nie, dass alles richtig gut gelaufen ist, wenn ich dich mittags sehe und frage, wie es in der Schule war. Du sagst immer nur, dass es mittelmäßig war.“, aber das hat ja nur bedingt mit den Kindern zu tun. (Ich gestehe: momentan etwas mehr als sonst. Weihnachtszeit eben. 😉 ) Dringend notwendige Kommunikationssituationen kommen nicht zustande, Eltern stellen unrealistische Ansprüche, das Wetter ist mies, die Gesundheit spielt nicht mit…die Liste ist lang. Am Ende des Tages geht es jedoch darum, sich auf die Kinder einzulassen und sie alle ins Herz zu schließen.

Natürlich gibt es Konflikte mit Einzelnen. Konstant aufmüpfige und aufmerksamkeitseinfordernde Schüler. Streitigkeiten. Lautstarke Auseinandersetzungen. (Einwurf zwischendurch: meine Mentorin informierte mich gerade heute darüber, dass ich manchmal im Unterricht nicht-vollständige Sätze von mir gebe. Jetzt weiß ich, was sie damit meint. 😉 ) Aber, wie mir eine Freundin vor Jahren schrieb, als ich eine sehr unschöne Situation mit einem Schüler hinter mir hatte und nicht wusste, wo mir der Kopf stand: Zu 100% können sie irgendwie nix dafür. Und so ist es auch. Diese Kinder sind nicht bösartig, sie haben alle schon ihr Päckchen zu schleppen. Und die Umstände pressen sie in die Hülle, die uns gegenübersitzt. Unser Job ist es, den guten Kern dahinter zu entdecken.

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Ich liebe meine Schüler….

….ehrlich! Sie sind groß, klein, verrückt, aufgedreht, lustig, ernst, schüchtern, selbstsicher und vor allem eines: lebendig. In den vier Monaten, die ich jetzt im Referendariat bin, gab es kaum einen Tag, der mir kein Lächeln auf das Gesicht zauberte. Dass ich an mindestens genauso vielen Tagen die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen habe und mich gefragt habe, ob ich in einer Schule oder doch eher einem Affenzirkus bin, versteht sich von selbst. Aber genau das macht die Arbeit so abwechslungsreich und aufregend. Ich würde sie gegen keinen anderen Job der Welt tauschen wollen. (Also gut, über einen Job als Coffeeshop-Tester könnten wir reden.)

In meiner siebten Klasse haben wir heute Themen für die anstehende Englischarbeit wiederholt. Meine Süßen sind dafür bekannt, dass sie morgens in der ersten Stunde (ab 07.20, wohlgemerkt!!) nur begrenzt aufnahmefähig sind. Geht mir auch so, aber es nützt ja nichts. Mühsam wird Gehirnzelle für Gehirnzelle aktiviert und zum Arbeiten gebracht, es werden alte Vokabeln wieder hervorgekramt und vergessene Satzstrukturen aufgefrischt. Für die Klausur-Vorbereitung haben wir heute besprochen, wie eine Postkarte auszusehen hat. Na logo, man braucht einen Adressaten, das Datum, eine Briefmarke (das war das erste Merkmal, das genannt wurde), einen Text und ein Motiv auf der Vorderseite. Unten wird noch unterschrieben – Ende aus, Mickymaus. Kann doch jedes Kind! Zumindest waren sie entsprechend entrüstet, dass ich ihren Hirnen diese Wissenslücke zutraute. Dann sollten sie eine Postkarte aus einem fiktiven Urlaub an mich schreiben, als Übung.

Nach zwei Minuten die erste Frage. „Wessen Adresse muss denn auf die Postkarte? Die des Absenders oder des Empfängers?“ Ich schaue die Schülerin schief an und antworte „überleg mal. Was passiert denn, wenn du die Absenderadresse auf die Karte schreibst?“ Fragezeichen auf der Stirn. „Dann…ach so, dann kommt ja die Post vielleicht nicht an.“ Richtig, zehn Punkte für Ravenclaw!

Wer vermutet, dass diese Frage ein Einzelfall war, hat sich getäuscht. Nicht weniger als zehnmal wurde ich um Hilfe gebeten, und jedes Mal war es genau diese Problematik. Nicht alle konnten mir folgen, als ich erklärte warum man idealerweise die Empfängeradresse angeben sollte. Vielleicht kaufe ich mal 20 Postkarten und 20 Briefmarken, lasse meine Schüler alle eine schreiben und an einen Verwandten schicken. Und dann schreiben sie bitte die Adresse darauf, von der sie denken, dass sie dorthin gehört. Mal schauen, wie viele ankommen. 😀 Ja, irgendwann mache ich das.

Ein weiterer Tag, der zwischen mir und den Weihnachtsferien steht, ist vorbei. Ich hoffe, auch alle lieben Kollegen sind gut durch den Tag gekommen. Oder, um es mit den Worten einer meinen eingesammelten Postkarten zu sagen:

I hope dear go good.“