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Ende aus, Mickymaus

Moment,einmal kurz den Staub vom Blog pusten…so!

Ich bin wieder da. Nach einer längeren Blogpause, die meinem Scheitern in der Ref-Abschlussprüfung und dem damit verbundenen Stress in den darauffolgenden Monaten bis zur Wiederholungsprüfung geschuldet ist, habe ich nun offiziell die Berufsbezeichnung „Lehrerin“ erworben und darf schalten und walten, wie es mir gefällt. Zumindest in Ansätzen. 😉 Vorbei sind die wöchentlichen Modultage, die Unterrichtsbesuche, das Tippen der vorzulegenden schriftlichen Unterrichtsvorbereitungen und natürlich die Angst vor dem Prüfungstag. Zwischendurch habe ich den Glauben an mich verloren und lange nicht wiedergefunden, doch dank meiner tollen Kollegen, von denen ich einige mittlerweile zu meinen guten Freunden zählen darf, habe ich den Absprung noch geschafft.

„Wie geht es jetzt bei dir weiter?“, werde ich von vielen Seiten gefragt. „Erstmal gar nicht.“, antworte ich dann. Tatsache ist, dass ich an meiner Schule momentan nicht als Lehrerin beschäftigt werden kann. Da mir aber viel daran liegt, dort zu bleiben, überbrücke ich jetzt die Wochen nach den Sommerferien. Ab Oktober kann ich planmäßig als Schwangerschaftsvertretung für meine ehemalige Mentorin einspringen, die für den Rest des Schuljahres zuhause bleiben wird. Anschließend hoffe ich natürlich sehr auf einen Folgevertrag. Um finanziell nicht völlig zu versacken, habe ich mich entschlossen, in der Nachmittagsbetreuung eben dieser Schule zu arbeiten; ein Amt, das ich für mindestens ein Jahr bekleiden werde.

In den nächsten Wochen wird es also zwangsläufig vormittagstechnisch wenig neue Beiträge von mir geben, dafür wird mir nachmittags aber mit Sicherheit die eine oder andere lustige Begebenheit vor die Füße laufen. Der Blog wird sich also endlich wieder mit Leben füllen.

Auf eine neue Ära! 🙂

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Ready…set…

Go!

Der erste Tag des neuen Schuljahres ist vorüber, und so langsam könnte man auch mal wieder über die nächsten Ferien nachdenken. Nicht nur muss ich mich erst wieder an den Geräuschpegel gewöhnen, auch bringt der Job der Klassenlehrerin in der Mittelstufe so einige Herausforderungen mit sich, auf die ich nicht eingestellt war. Damit meine Großen ihren ersten Tag unter meiner Fuchtel nicht einfach mit einem neuen Namensschild auf einem anderen Platz beginnen, hatte ich mir einen bewegungsreichen und – wie ich fand – interessanten Einstieg überlegt. Folgende Anweisungen fanden sie, als sie das Klassenzimmer betraten:

„1.Check the seating chart inside the board.

2. Find the envelope with your name in the back.

3. Solve the equation inside.

4. The solution is your seat number!“

Warum das Ganze auf Englisch, wenn es die Arbeit doch verkompliziert? Tja, als Englischlehrerin der Klasse habe ich es mir herausgenommen, sie intellektuell gleich in die richtige Richtung zu schubsen. Was ich nicht einkalkuliert hatte war, dass die Schüler geistig noch zwischen der 2.&3. Ferienwoche herumdümpelten, und somit kein einziger der 20 Teenies meine Aufgabe lösen konnte. Nicht einer. Und das in der achten Klasse. Nun ja, nach einem tiefen Durchatmer meinerseits und einem kollektiven Seufzer der Erleichterung ihrerseits, als die Plätze doch gefunden waren, konnte es losgehen.

Gedanklich, das muss ich ganz klar zugeben, war ich auch nicht immer bei der Sache. Was ich mich im Verlauf des Tages diverse Male fragte war, warum zwei meiner hübschesten Mädels sich in den Ferien unbedingt die Augenbrauen schwarz färben mussten?! Ist das jetzt ein Trend? Wenn ja, dann würden sie sich einen Gefallen tun, wenn sie ihn ausließen. Bei blonden Haaren und einem schmalen Gesicht sehen dunkle Augenbrauen-Balken einfach nicht aus. Punkt. Genauso bei hellbrauen Haaren und einer ähnlichen Gesichtsform. Nun ja, ich habe diskret geschwiegen.

Den Mund aufgemacht, wenn auch genauso diskret, habe ich bei einer anderen Schülerin, deren Größenschild hinten aus ihrem Pullover blitzte. Da die meisten ja noch keine Augen im Hinterkopf haben, empfand ich das als eine nette Geste. Und entgegengesetzt zum Umgang mit Freunden, denen ich das Schild einfach direkt wieder herumdrehe, habe ich ihr auch nur leise Bescheid gesagt. Nett von mir, oder?

Weniger nett war, dass ich bei einer nachmittäglichen Einkaufstour zwischen Schule und Konferenz feststellen musste, dass mein Maskara mich in einen Pandabären verwandelt hatte, da er bei meiner Abfahrt zuhause anscheinend noch nicht ganz trocken gewesen war. Dicke Batzen hingen mir unter den Augen. Und keiner hat auch nur einen Ton gesagt…da muss ich sowohl meine Kollegen als auch meine Schüler noch besser erziehen.

Auch rechtschreibtechnisch geht da noch was – meine Großen sollten ein Namensschild als Akrostichon gestalten. Das heißt, den Namen von oben nach unten (diese Bewegung habe ich DREImal vorgemacht, damit sie auch sicher wussten, was gemeint war) aufschreiben und dann zu jedem Buchstaben ein passendes Adjektiv. Was schreibt mein Spezi, den ich mir absichtlich direkt vor die Nase gesetzt habe, weil er sich im letzten Jahr weigerte, mitzuarbeiten?

I wie interliegend.

Stimmt, er LIEGT mit dem Kopf oft auf dem Tisch, besonders ZWISCHEN (INTER) den einzelnen Arbeitsphasen. Trifft also vollkommen zu. Nur ob er das so ehrlich reflektiert hat, oder sich schlichtweg vertan hat, ist jetzt die Frage… vielleicht kann ich das nochmal erfragen.

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Es gibt sie doch!

Heute hat mich ein etwas älterer Beitrag der großartigen Frau Freitag dazu gebracht, mal über meine netten Schüler nachzudenken. Oft, so sagt Frau Freitag und ich gebe ihr Recht, beschäftigt man sich fast ausschließlich mit den Störern, mit den Schülern, die einem Kopfzerbrechen bereiten. Dabei sind in jeder Klasse doch auch liebe Kinder. Solche, die meist das machen, was man möchte und das auf eine nicht-penetrante Art und Weise. Solche, die mitdenken und dem Lehrer gegenüber hilfsbereit sind (merke: schleimen ist nicht gleich hilfsbereit sein). Solche, die höflich und pünktlich sind. Die fallen gegenüber den „Störern“, wie ich sie an dieser Stelle mal völlig übergeneralisiert nenne, deutlich weniger ins Gewicht, dabei gestalten sie den Schulalltag doch auch mit.

Nehmen wir doch mal meine künftige 8. Klasse. 20 Schüler, einer anders als der andere aber grundsätzlich alle vollkommen in Ordnung. Mit keinem hatte ich bisher große disziplinarische Schwierigkeiten, aber zwischendurch kriselt es eben doch einmal. An diese Schüler denke ich automatisch, wenn ich von meiner Klasse spreche. Dann sind da aber noch andere:

Der etwas ältere Junge, der nicht nur mein absoluter Leistungsträger in Englisch ist, sondern der auch immer pünktlich ist und sein Material dabeihat. Der im Unterricht oft Sprüche klopft, woraufhin ich meist lachend am Boden liege. Der allein in seiner Art so witzig ist, dass ich seine Wortmeldungen selten ohne Grinsen überstehe. Der einen tollen Humor hat, welcher in keiner Weise verletzend, sondern nur auf-den-Arm-nehmend ist. Der mir eine selbst geschriebene Strophe zu einem vorhandenen Song vorsang, anstatt ihn nur vorzulesen. (Randnotiz: für musikalische Momente bin ich absolut immer zu haben) Der innerhalb einer Stunde den besten Werbespot zu einem selbstgewählten Produkt erstellte und mit dem Video aufnahm, den ich je in so einer Zeitspanne gesehen habe. Der so ziemlich als einziger die Aufgaben in der Englischarbeit liest und daher weiß, dass sie ganze Sätze schreiben sollen und nicht nur Stichpunkte hinhudeln.

Das Mädchen, das Tränen in den Augen hatte, als ich ihr verkünden konnte, dass sie es in diesem Jahr auf eine Hauptschuleins geschafft hat. Das mich schon Mitte des Schuljahres fragte, wie wahrscheinlich es sei, dass sie mich im kommenden Jahr behalten, und danach in regelmäßigen Abständen wieder nachhakte. Das sich riesig gefreut hat, als ich am letzten Schultag verkünden durfte, dass ich die neue Klassenlehrerin bin. Das sich anerkennend, aber im Zweifelsfall auch (konstruktiv!) kritisch zu meiner Frisurenwahl äußert. Das zuverlässig den Austeil- und Einsammeldienst erledigt und mich darauf hinweist, wenn ich es mal wieder vercheckt habe, im Klassenbuch eine Eintragung vorzunehmen. (Was natürlich fast nie vorkam, ups.)

Der Junge, der in einer wirklich schwierigen Familie mit einer sehr unkooperativen Mutter aufwächst und früher anscheinend prügelnd durch die Schule gelaufen ist. Der mir erzählt, wenn sein kleiner Bruder einen Tag aufgrund seiner Krankheit nicht in die Schule kommt, weil ich in der Klasse Co-Klassenlehrerin war. Der mit in der Abenteuerherberge war, um besagten Bruder zu beaufsichtigen, und die halbe Zeit damit verbrachte, sich mit mir zu unterhalten und über Schule zu lästern. Der immer den PC und Beamer sofort anschaltet, wenn ich etwas von „Präsentationen“ oder „Video“ sage. Der auch daran denkt, dass das Licht angeschaltet werden muss, wenn das Video vorbei ist und Frau Amhranai etwas an der Tafel notiert (was ich mitunter beim Modulbesuch im tiefsten Winter morgens um 8 vergessen habe, so dass es sehr düster in der Klasse blieb). Der ACDC und Led Zeppelin hört. Der so stolz darauf ist, dass er in der Fremdsprache gut ist, wo er doch in Deutsch schlechte Noten erzielt. Der sich durchs Leben schlägt, auch wenn er von vielen nicht so akzeptiert wird.

Das sind nur drei meiner Großen, die ich schon jetzt liebevoll als „meine“ bezeichne. Und dann gibt es da noch 17 andere Schüler, die auch alle tolle Züge haben. Bevor das Schuljahr losgeht, werde ich mich in jedem Fall noch einmal hinsetzen, und auch über sie nachdenken. Denn alle Schüler sind besonders – man muss das Besondere nur herauskitzeln.

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Das Ende einer Ära

Vor zweieinhalb Wochen ist auch hier oben endlich das Schuljahr zu Ende gegangen. Es ist wohl keine Übertreibung, wenn ich sage, dass sowohl die Schüler als auch wir Lehrer sehnsüchtig auf die sechswöchige Pause gewartet haben. Fünfzehn Wochen seit der letzten Verschnaufpause ist einfach eine lange Zeit gewesen. Für alle Beteiligten. Wären wir nicht so erschöpft gewesen, hätten sicherlich noch mehr die Sektkorken geknallt, als der letzte Schüler eilig das Schulgelände verlassen hatte, doch tatsächlich machten sich nach der endgültigen Verabschiedung einiger lieber Kollegen die meisten rasch auf den Heimweg. Ein harter Kern blieb noch länger und bemühte sich nach Leibeskräften, der Verköstigungen Herr zu werden, doch mussten wir uns den Kuchen und den Getränkeflaschen bald geschlagen geben, und gegen 14 Uhr war die Schule dann leer. Im Gegensatz zu meinem Kopf – der rumort noch immer von all den Eindrücken und Erlebnissen des vergangenen Jahres.

Mein erstes Schuljahr als Lehrerin ist also vorbei. Der Plan war an dieser Stelle, Monat für Monat kurz Revue passieren zu lassen, um die Dinge zu beleuchten, die mich am meisten beeinflusst und geprägt haben. Doch das stellt sich beim Schreiben als unmöglich heraus, da jeder einzelne Tag dazu beigetragen hat, dass ich auf  meinem Weg weitergekommen bin. Ich habe mich gut in das Kollegium eingefügt und konnte von den Menschen um mich herum viel lernen. Dasselbe gilt natürlich auch für meine Schüler; auch von ihnen habe ich viel gelernt. Ich hatte viel Spaß, habe gelacht, geweint, mich angestrengt, kurzzeitig gefaulenzt – kurz, ich habe gelebt. Und auch wenn mein persönlicher Akku gerade auf einem absoluten Tiefpunkt ist, kann ich es kaum erwarten, die Schule in vier Wochen wieder zu betreten.

Einiges wird sich verändern. War ich im letzten Jahr noch als Co-Klassenlehrerin in meiner zweiten Klasse eingesetzt, so dass ich den Alltag eines Klassenlehrers mit kleinem Sicherheitsabstand miterleben konnte, werde ich die Klasse im kommenden Schuljahr nicht mehr so intensiv begleiten können. Grund dafür ist, dass ich durch die Pensionierung eines Kollegen meine eigene Klasse bekomme und mit sofortiger Wirkung meine Mittelstufen-Englischklasse übernehme. Auch wenn ich einen Höllenrespekt vor den Aufgaben habe, die mich erwarten, so freue ich mich doch riesig über das Vertrauen, das mein Chef ganz offensichtlich in mich hat, wenn er mich noch während der Ausbildung mit dieser Aufgabe betraut. Es wird mit Sicherheit einiges geben, was ich im nächsten Schuljahr zu erzählen habe.

Und damit komme ich auch zum Schluss meiner Ferienmeldung. Es war sehr lange still hier auf dem Blog, und auch diese Ära soll nun zu Ende sein. Mit dem Ferienbeginn bin ich in meine eigene Wohnung gezogen, die dichter an der Schule liegt, und kann nun meinen Alltag ausschließlich so gestalten, wie ich das gerne möchte. Das heißt, dass ich auch mehr Zeit fürs Bloggen habe, wie für diverse andere Dinge, die im letzten Jahr zu kurz gekommen sind. Ich bin bereit für das neue Jahr, für die neue Ära, und ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere mit mir mitkommt =)

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Das Lieblingswort aller Pädagogen

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Ferien! Dieses Wort ist nicht nur für Schüler Gold wert, auch für Lehrer hat es eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. In den letzten Wochen habe ich fast neidlos ertragen, dass die umliegenden Bundesländer bereits frei hatten, während wir uns noch Tag für Tag in die Schule geschleppt haben. Doch nun haben auch wir es endlich geschafft, und 16 Tage voller Faulenzerei und Produktivität liegen vor uns. Wer anmerkt, dass zwischen diesen beiden Worten eine gewisse Spannung besteht, liegt goldrichtig. Während meine Vorsätze wie üblich die allerbesten sind, brauche ich im Moment dringend Pause von meinen kleinen und großen Chaoten. Ich möchte also entspannt sein, und das bitte ein bisschen plötzlich!

Mein Lieblingsthema in den letzten 2 Wochen war der Aufbau einer Postadresse, die ich gefühlte tausend Mal mit meinen Kleinen durchgenommen habe. Nachdem ich im Winter ja schon bei den Siebtklässlern feststellen musste, dass sie mit dem Schreiben einer Postkarte heillos überfordert waren, schlug die Unwissenheits-Keule nun auch in meiner zweiten Klasse zu. Nicht nur konnte mir keiner sagen, wessen Adresse denn auf eine Postkarte muss (Deja-vu!), auch wissen viele nach zwei Wochen noch nicht, in welcher Reihenfolge eine solche Adresse denn notiert werden muss. Wir haben regelmäßig „Rate mal mit Rosenthal“ gespielt, und über die Ferien haben sie nun die Aufgabe, mir eine Postkarte aus dem Urlaub (oder aus Balkonien) zu schicken. Ohje, mir schwant Übles. Vielleicht versuchen es sogar viele, aber ankommen werden dann nur 3-5, weil die anderen Kinder statt der Postleitzahl eine Telefonnummer notiert haben oder gleich ihre eigene Adresse auf die Karte schrieben. Diese Thematik bringt mich an den Rand der Verzweiflung. Nicht einmal ihre eigene Adresse können sie mir sicher sagen. Hat jemand von euch einen Tipp, wie ich ihnen helfen kann, sich die Adressbestandteile zu merken?

Egal. Tief durchatmen – es sind schließlich Ferien. Vor mir türmt sich ein Papierberg, der etwa Eiffelturm-Ausmaße hat, aber ich ignoriere ihn dieses Wochenende noch großzügig. Ab Montag wird dann rangeklotzt, weil ich am kommenden Freitag durch sein will, um für ein paar entspannte Tage nach Hause zu fahren. Wie üblich versuche ich, mich mit möglichst vielen meiner Freunde aus der Heimat zu treffen, und lustigerweise stehen bisher fast nur diejenigen auf der Liste, mit denen ich schon ewig nicht mehr gesprochen habe. Das verheißt doch viel Gutes.

 

(Quelle des Bildes: https://www.facebook.com/TheTeacherNextDoor/photos/a.606234669432076.1073741828.604423932946483/964970113558528/?type=3&theater )

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Von leeren Kaffeebechern und vollen Kaffeemaschinen

Einmal im Monat gibt es sie, die faulen Mittwoche. Immer dann, wenn ich keines meiner drei Module habe und mir auch kein „Wahlpflicht“-Modul ins Haus steht, ist mir in meinem LiV-Dasein ein freier Mittwoch gegönnt. „Wahlpflicht“-Module sind im Übrigen genau so gemeint, wie ich sie notiert habe: mit großen Gänsefüßchen. In den meisten Fällen besteht die einzige Wahl darin, ob ich das Modul an dem Tag der Ankündigung wähle oder am Folgetag – es ist also alles relativ. Aber da die Wahlmodule nun ohnehin abgeschafft sind, erübrigt sich ja die Diskussion, wie sinnvoll oder nicht sinnvoll diese Bezeichnung war.

Zurück zum Thema: die freien Mittwoche. 24 Stunden, während derer man tun und lassen kann, was man möchte, während derer man alle Aufgaben erledigen kann, die sich über die Wochen angesammelt haben. 24 Stunden, während derer in einer stressfreien Umgebung nach- und vorbereiten kann, und während derer man alle privaten Dinge einschieben kann, für die man sonst nie Zeit hat. Stunden, um Freunde zu treffen, auszuschlafen, gemütlich 2-3 Tassen Kaffee zu trinken, Hefte zu korrigieren, die Wohnung auf Zack zu bringen, Tests durchzusehen, Arbeiten zu konzipieren, sich eine Wellness-Behandlung zu gönnen, Einhörner zu suchen – sprich, ein Tag der schneller vorbeigeht als jeder andere, und an dessen Ende man nichts, aber auch gar nichts geschafft hat, weil man viel zu sehr damit beschäftigt war, sich entspannen zu wollen.

Gestern war es mal wieder soweit: zu dem Status „seminarfrei“ gesellte sich auch noch ein „sturmfrei“, weil meine beiden Mitbewohnerinnen für ein paar Tage außer Haus waren. Mein Plan stand schon am Dienstag, und ich freute mich direkt darauf, am Mittwoch produktiv sein zu können. Ausnahmsweise mal. Dann blinzelte ich einmal und schon war es 22 Uhr. Ups. Schon wieder ein freier Tag dahin. Dabei fing er gut an: ich wachte ausgeruht auf, stellte die Kaffeemaschine an und machte mir in aller Ruhe ein schönes Frühstück. Dann schmiss ich die erste von 3 Ladungen Wäsche in die Maschine und schob meinen Arbeitsstapel erfolgreich von links nach rechts. Die Kekse wanderten von rechts nach links. Zack, Ernährung nebenbei auch noch umgestellt.

Gegen Mittag, als ich am PC vor mich hindümpelte, wunderte ich mich, warum ich nur so müde war. Schließlich hatte ich doch meinen Kaffee getrunken………moment. Da beschlich mich ein Verdacht. Auf Zehenspitzen, um die Maschine nicht zu erschrecken, schlich ich in die Küche, und da stand sie. Die volle Kaffeemaschine. Die seit vier Stunden darauf wartete, dass ich ihr endlich die braune Brühe abnahm. Das erklärte natürlich einiges. Trotzdem war der Enthusiasmus erstmal verschwunden, und wurde auch nicht mehr gesichtet. Schade eigentlich…

Nun steht das nächste Wochenende vor der Tür, und zum zweiten Mal in Folge werde ich kaum zum Arbeiten kommen, weil ich wieder nach Hause zu meiner Mutter fahre. Nachdem wir letztes Wochenende ihren runden Geburtstag groß gefeiert haben, steht nun an diesem Wochenende mein eigener, semi-runder, Schlüpftag an. Ihr könnt es euch sicher nur schwer vorstellen, aber ich habe keine große Lust, während meines Ehrentages am Schreibtisch zu sitzen und Stundenverlaufsskizzen zu entwerfen. 😉 Deshalb muss ich theoretisch morgen früh vorarbeiten, insbesondere da sich mein Arbeitstag um die Hälfte verkürzt hat und ich schon um 10 Schluss habe, anstatt erst um 1 die „Anstalt Schule“ zu verlassen. Zumindest ist das der aktuelle Stand. Diese Woche wurden schon mehrere Klassen kurzfristig mit meiner vertretungsweisen Anwesenheit beglückt, ich sollte also den Ball flach halten…

Für mein neues Lebensjahr wünsche ich mir Tipps und Tricks, meine Produktivität zu steigern und freie Tage sinnvoll zu nutzen, anstatt mich nur immer zu beklagen, dass sie so schnell vorbei sind. Suggestions, anyone ?

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Wer hat an der Uhr gedreht…

…ist es wirklich schon so spät?!

Der Januar ist hier im hohen Norden nur so vorbeigeflogen, und ehe ich mich versehe, ist das erste Schulhalbjahr beinahe um. Nur noch fünf Schultage trennen mich vom Halbjahres-Wechsel-Wochenende, und das bedeutet auch, dass das erste Drittel meiner Referendariatszeit ebenfalls vorbei ist! Der Gedanke ist ziemlich angsteinflößend, zumal meine Abschlussprüfung irgendwann im dritten Teil der Ausbildungszeit stattfindet – zwischen November und Januar. Mir bleiben also nur noch ein ganzes Halbjahr und ein paar zerquetschte Monate, bevor es heißt: „Top oder Flop“!

Aber keine Panik. Tief durchatmen. Bis dahin kann und wird noch viel passieren, und ich werde sicherlich noch einiges dazulernen. Als ich mein Studium im Herbst 2009 mit einem „Mal schauen, ob das was für mich ist“-Gefühl begann, war ich noch nicht sicher, ob dieser Beruf wirklich meine Erfüllung sein würde. Ich war während meiner Zeit am Gymnasium an freien Tagen immer mal wieder zu meiner alten Grundschule gepilgert, wo ich meine alten Klassenlehrer mit meiner Anwesenheit „beglückte“. Es hatte mir dort mit den Kleinen gefallen, und so beschloss ich aus Mangel an besseren Berufsideen, es einfach mal mit dem Lehrer-Dasein zu versuchen. Viele Hoch- und Tiefpunkte begleiteten mich durch die Jahre im Studium, und mehr als einmal war ich kurz davor, das Handtuch zu werfen. Noch heute habe ich die Worte einer Bekannten vor Augen, die mir auf eine niedergeschlagene Email antwortete, dass ich das finden müsse, was mich glücklich macht, und dass sich dieses Glück in jeder Nische verstecken könnte.

Letztes Jahr im Frühling war es dann doch geschafft, und mit einem halben Jahr Verspätung konnte ich mich für das Ref bewerben. Da es in meiner Heimatstadt kaum Aussichten auf einen Platz gab, sparte ich mir gleich das Porto und die Verpackung und schrieb nur die umliegenden Bundesländer an. Auf einmal wurde der Job greifbar, und der Gedanke erfüllte mich mit Freude. Ich konnte es kaum erwarten, endlich auszuziehen – auch um meinem alten Leben für eine längere Weile zu entgehen – und so war die Motivation groß, als endlich mein Brief vom Schulministerium kam. Ab in den Norden. Die Wohnungssuche verlief erfolgreich, ich fand eine tolle WG in guter Lage, packte meine Siebensachen und zog im Sommer aus.

Und schon ist es Ende Januar. Wo sind nur die letzten Monate geblieben? Dass die letzte Woche vorbeigerast ist kann ich verstehen, da sie gefüllt war mit viel Stress und zusätzlicher Belastung. Die Zeugniskonferenzen standen an, genauso wie eine weitere Konferenz und schließlich noch zwei Unterrichtsbesuche, die jeweils mit unnatürlich viel Aufwand verbunden waren. Freitag Mittag, als alles vorbei war, konnte ich es kaum glauben – die Woche des Horrors war geschafft. In diesen Tagen habe ich nichts im Haushalt gebacken bekommen, überhaupt keine Zeit für mich gehabt, einzelne Schulstunden vernachlässigt und ständig mit der Erschöpfung gekämpft. Solche Wochen sollen aber nicht die Regel werden – schließlich ist das Leben zu kurz, um nur zu arbeiten.

Ich genieße jetzt noch das restliche Wochenende und starte dann mit neuem Elan in die Woche. Auf meine Kleinen freue ich mich, auch wenn sie mich nach dem Besuch letzte Woche regelmäßig zur Weißglut getrieben haben, und auf meine Siebte erst recht. Jeder Einzelne war fantastisch beim Unterrichtsbesuch, und im Anschluss fingen mich Einzelne ab, um zu fragen, wie die Besprechung gelaufen sei und ob ich jetzt bittebitte ihre Lehrerin bleiben würde. Da geht mir doch das Herz auf. Das sind diese kleinen Momente, die den Stress in den Hintergrund treten lassen, und mir mitteilen, dass ich hier richtig bin. Und das bin ich. Definitiv.

Angekommen.